Warum ich Liane Bednarz heuchlerische Doppelmoral in ihrer „Kritik linker Doppelmoral“ vorwerfen musste

fred
Fred Groeger, Softdrinktester

Grundsätzliche Worte zuerst: Ich habe eigentlich keine Lust eine von diesen persönlichen Aussagen zum Charakter von Liane Bednarz zu treffen.  Auch schon deshalb, weil ich aus guten Gründen „persönlich“ und „Frau Bednarz“ nicht mehr für mich in Zusammenhang setzen will.

(Jaja, das war jetzt ein Widerspruch mit kleiner Bosheit, ich weiß.)

Worum es eigentlich geht:

Seit den Ausschreitungen von Hamburg singt Liane Bednarz eine „ideologische Arie“ über den „Linksextremismus“. Wäre ja nicht so schlimm. Die Ausschreitungen haben wohl den wenigsten Mitmenschen „gefallen“,  Sie ist halt sehr „bürgerlich“.

Mein eigenen Standpunkt zu den Krawallen in Hamburg möchte ich möglichst kurz erklären:

Diese Ausschreitungen lassen sich nicht politisch schönreden oder politisch legitimieren.
Und zwar deshalb, weil unser „Schweinesystem“ einfach verdammt viel mehr Möglichkeiten des Protestes und politischen Widerstandes bietet, als auf ziemlich dumme Weise irgendwelche Autos anzuzünden und größtmögliche Zerstörungswut auszuleben.  Dass auch gar nicht klar ist, welche Straftaten tatsächlich mit einer politischen Motivation begangen wurden, welche nur aus dem „Riot-Effekt“, bei dem dann jede Knalltüte seine Chance sieht und zum „Party-Krawallo“ wird, ist nochmal eine andere Sache.

Was ich aber leider sagen muss: Ein genereller Ausschluss von „Gewalt als politisches Mittel“ von „Zivilisten“ gegen den „Staat“ kommt für mich auch nicht in Frage.

Und das hängt einfach damit zusammen, dass es nun mal Diktaturen auf der Welt gibt.

Bei unserer letzten Diktatur hier in Deutschland, die 1989 durch eine „friedliche Revolution“ unterging, hätte es auch jederzeit großflächig knallen können.  Und dann möchte ich den pseudokonservativen Klugscheißer sehen, der es verurteilt hätte, wenn DDR-Bürger Steine auf „Volkspolizisten“ und Staatsicherheitsagenten geworfen hätten.

Es ist deshalb auch übrigens wohl kein Zufall, dass die derzeitige Hauszeitung des „Linksextremistenjägers“, die „Welt“, irgendwie kein Problem hatte, einen Artikel über die „sexy Steinewerferin aus Venezuela“ zu bringen, weil es dort ja um die romantische Revolution gegen ein sozialistisches System geht, die Axel Springer (auch ohne Blick auf diese Frau) eine postmortale Erektion durch den Sargdeckel schießen lässt.

Den „Welt“ und „BILD“-Redaktionen seien ihre „tollen“ Artikel über Caterina Ciarcelluti gegönnt. Ich habe persönlich keine Ahnung, ob ihre Steinewürfe in Venezuela gerechtfertigt sind, weil ich die dortige Lage nicht gut kenne, aber wenn Springer-Journalisten was zum Masturbieren gefunden haben, ist das positiv.
Wenn man die Online erlebt, ist nämlich nicht klar, ob die ohne Hilfe „Pornhub“ oder „Youporn“ finden würden.

Also: Ein generelles Verurteilen von gewalttätigen Protesten wird es von mir nicht geben, da es sehr auf das „System“ und die „Situation“ ankommt.

Die Hamburger Krawalle kann ich jedoch als pseudopolitische Freakshow am Rande des Wahnsinns problemlos verurteilen.

Jetzt aber wieder zu meinem Problemchen mit der nicht ganz so durchdachten Phrasendrescherei von Frau Bednarz:

Es reichte ihr nicht, permanent von „Linken“ die nun mal nicht alle etwas mit „Linksextremismus“ zu tun haben, verurteilende Statements abzuverlangen.

Es tut mir sehr leid, aber diese Debatte ist komplett sinnlos. „Linke“ sind schon etwas „heterogener“, als Frau Bednarz sich das vorstellt und selbst bei „Linksradikalen“ fände ich es dumm, von einer Gruppe, die derartige Krawalle für sich ausschliesst, irgendwelche Stellungnahmen abzuverlangen, die irgendwie an die unlogischen „not in my name“-Kampagnen erinnern, bei denen sich friedliche Muslime von Islamisten krampfhaft distanzieren sollen.  Es ist ja kein Problem, wenn jemand das freiwillig und aus Überzeugung tun möchte.

Aber diese platte Art, mit erhobenen Zeigefinger, nach Statements und Verurteilungen zu verlangen, bedeutet nur:  „Los sag jetzt was, sonst bist du unter bestätigtem Generalverdacht!“

WARUM MUSS SICH EIGENTLICH IRGENDWER VON IRGENDWEM ODER IRGENDWAS DISTANZIEREN, MIT DEM ER NICHTS ZU TUN HAT?

Es ist halt auch nicht so simpel.  Das fand ich wirklich intellektuell einfach bloß enttäuschend.

Aber auch dieses ideologische Bashing von „Linken“ mit ein bisschen Moralinsäure hätte ich verknust. „So isse halt“.

Das wirkliche Problem, dass ich mit Frau Bednarz und ihrem „Gespür für Doppelmoral“ habe, ergab sich aus ihrem letzten grausamen Erguss. (Ich schreibe „letzter Erguss“, weil ich von ihr lange nichts mehr lesen möchte)

In ihrem wirren Aufsatz in der „Causa Tagesspiegel“ mit dem anmaßenden Titel

„Wer politische Doppelmoral an den Tag legt, verliert. Egal ob konservativ oder links“

macht Frau Bednarz nämlich einen unglaublichen Fehler, der ihre eigene heuchlerische Doppelmoral aufzeigt:

In ihrem „konservativ-liberalen“ Weltbild schloß sie nämlich Fehlverhalten der Polizei oder Polizeiführung kategorisch aus. Das zeigte sich schon, als ihr auf Twitter so einige (wahrscheinlich ehemalige) Freunde vorlegten, dass bei der „Welcome to Hell“-Demo eine Eskalation von der Polizei mitverursacht wurde und sie mal wieder nur mit Empörung antwortete, obwohl es seriöse Medienberichte waren.

Es tut mir sehr leid, aber für eine Journalistin ist diese mangelnde Neugier schon fragwürdig, aber für eine selbsternannte „Kritikerin“ von „Doppelmoral“ ist sie einfach nur absurd.

Wenn eine „Journalistin“ nicht weiß, dass der verantwortliche „Polizeichef“, Hartmut Dudde, einen hohen Bekanntheitsgrad dafür hat, rechtswidrige Einsätze zu verursachen und auch gerne mit der „Härte“ der „Hamburger Linie“ Demonstrationen seiner „linken Erzfeinde“ zu „eskalieren“, dann stimmt was nicht.

DOPPELMORAL:

Sie beschwert sich darüber, dass andere angeblich die Gewalt der Ausschreitungen relativieren, leugnet aber mal eben die vielfach dokumentierte Polizeigewalt, die schon vom ersten Tage an mit fragwürdiger Rechtsgrundlage durchgezogen wurde.

Beispiel hierfür wäre schon die Räumung der Schlafzelte des Camps Entenwerder, die unter Pfefferspray ausgeführt wurden, da sich die „bösen linken Demonstranten“ weigerten einer Auflage Folge zu leisten, die bis zu diesem Moment gar nicht existierte und auch später für rechtswidrig erklärt wurde.

Ja, Frau Bednarz, das war Pfefferspray in die Fresse auf rechtswidriger Basis. Statt die rechtliche Situation ernsthaft und vernünftig zu klären, haben Polizisten einer Gruppe,
die nur Schlafzelte aufstellen wollte, Pfefferspray in die Fresse gesprüht.

https://www.youtube.com/watch?v=H2NWDFwHbok

Das ist nicht die Polizei, die einen Rechtsstaat würdig vertritt.

Andere Beispiele aus dem Demoverlauf zeigen Bilder, auf denen Demonstranten, die schon zurückweichen, mit Schlagstöcken in den Rücken geschlagen wird.

https://g20-doku.org/2017/07/07/schlagstockeinsatz-gegen-blockierende-die-langst-zuruckweichen/

Das ist nicht die Polizei, die einen Rechtsstaat würdig vertritt.

Dass Polizeibeamte grundlos Leute in den Rücken schlagen, wurde übrigens sehr oft gefilmt.  Es kam sogar zu sinnlosen Jagdszenen, in denen mehrere Polizisten Leuten nachstellten, sie verprügelten und dann einfach wieder zurückgingen. Das war keine Gewalt bei einer Festnahme, es war bloß miese Prügelei.

Das ist nicht die Polizei, die einen Rechtsstaat würdig vertritt.

Was ich persönlich allerdings besonders schlimm fand, war der Einsatz eines Wasserwerfers gegen Leute, die sich auf einem Baugerüst befanden!
Billigend in Kauf nehmend, dass diese Leute vom Gerüst stürzen.

https://g20-doku.org/2017/07/07/wasserwerfereinsatz-gegen-menschen-auf-gerust/

Das ist nicht die Polizei, die einen Rechtsstaat würdig vertritt.

Also es tut mir sehr leid, aber wenn Liane Bednarz diese Vorfälle als „angebliches Fehlverhalten der Polizei“ in ihrem Aufsatz relativiert, ist sie selbst die „Doppelmoralistin“, als die sie andere Menschen gerne hinstellen will.

Es sind nicht alle Demonstranten straffällig geworden, genausowenig wie alle Polizisten straffällig wurden.

Aber das EINE zu kritisieren und das ANDERE zu ignorieren, war ja eigentlich auch zu einem Teil ihr Vorwurfsschema. DOPPELMORAL.

Und wer offensichtliches Fehlverhalten von Polizisten und/oder Polizeiführung aus ideologischen Gründen ignoriert, hat für mich mit dem Rechtsstaat wenig am Hut.

Das war es für mich. Tschüssi, Frau Bednarz und weils ja bei dir immer so läuft, wenn du Kritik abbekommst: Heul doch doppelmoralisch auf Facebook.

 

 

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